jahresbericht 2019

generalversammlung 2019

Fabian Weber

Innenarchitekt VSI.ASAI.

TAG 1
Morgens am 21. Juni trafen wir uns zum Auftakt des GV-Rahmenprogramms 2019 im altbewährten und weiterhin eindrücklichen KKL Luzern. Danach stärkten wir uns im Seebistrot Luz, früher ein filigraner Bau aus dem Fin de Siècle dann üppiger Souvenir-Shop und heute wieder 1. Adresse für Luzerner Kreative, vor allem bei knapp verpassten Zügen. Unser Kaffee aber noch ohne Luz (Träsch), dafür mit Gipfeli.
Mit dem Katamaran, dem schnellsten und modernsten Schiff der Vierwaldstättersee-Flotte in Shuttle-Funktion nach Kehrsiten, erreichten wir in wenigen Minuten die Talstation der erneuerten Bürgenstock Standseilbahn. Vor der Bergfahrt nahm uns Jo Müller, Kurator für Hotelkultur im Bürgenstock Resort in Empfang und führte uns in dessen lebhafte Geschichte ein. Sein Begleiter, Sepp Amstutz, alias Miesle Sepp (der Sepp der Mieslenalp - es gibt unzählige Bauern Namens Sepp), Seilbahnexperte und lokaler Bauer, erklärte uns das Funktionsprinzip der drei unterschiedlichen mechanischen Notbremsen, welche die historische Gondel innerhalb von 7 Sekunden in steilster Hanglage zu einem kompletten Stopp zwingen kann. Spätestens nach halber Strecke mit toller Aussicht und Tiefsicht erinnerten wir uns hoffnungsvoll an die breit abgesicherte Bremstechnik.
Lief die Kommunikation über freie Zimmer zur Blütezeit der Belle Époque noch über den Kutscher, reisen die heutigen digitalen «Frühbucher» so schnell wie bisher noch nie übers Wasser und werden an der Bürgenstock Bergstation direkt in der gemeinsamen Rezeption der verschiedenen Hotels in Empfang genommen. Die eindrücklichen Hotelanlagen faszinierten und polarisierten, die einzigartige Lage, die legendären Geschichten und die prominenten Gäste prägen den Ort noch heute.
Das Fördermitglied Dornbracht Alape offerierte uns das Kontrastprogramm zum Gigantismus am Bürgenstock. Wir wurden herzlich in Miesle Sepps Hof empfangen. Draussen gab’s einen Apéro «very very riche» und danach servierte uns die Familie ein köstliches Raclette in der spontan zur Burestube umfunktionierten Garage.
Per Postauto steuerten wir nun auf die Gotthard Passhöhe zu. Durch die Buchungen einiger Mitglieder im renovierten Hotel Hospiz, entworfen von Miller Maranta Architekten, bekamen wir einen Einblick in die sorgfältig geplanten Hotelzimmer, bevor wir über die gepflasterte alte Passtrasse wanderten und den unscheinbaren Eingang zur La Claustra aufzuspüren versuchten. In der historischen Gotthardfestung, die nach dem Krieg mangels Feindbildes aufgehoben wurde, fanden wir uns zum Nachtessen ein. Rainer Geissmann, der heutige Besitzer der 4’000 m2 grossen Anlage lagert 7700 Paar nostalgische Skis darin und verschafft den Gästen ein klaustrophobisches aber einzigartiges Hotelerlebnis in tropfenden Gängen und fensterlosen Hotelzimmern, dem sich auch zwei VSI.ASAI. Mitglieder stellten.

TAG 2
Morgens zogen wir in zwei Gruppen mit dem Urschner Bänz Simmen und Jürg Hunziker durch Andermatt. In lebhaften Darstellungen der beiden erfuhren wir sagenhafte Geschichten. Ohne Teufel geht im Kanton Uri nichts, das wussten schon die alten Römer. Die Dämonisierung der wilden Schöllenen machten sie zum Konzept und verhindern so das Eindringen fremder Völker. Kaum ist die Strasse durch den wohl schwierigsten Zugang nach Andermatt gebaut, droht der mittlerweile von Valsern abstammenden Bevölkerung nächstes Ungemach - der Gotthardtunnel. Eine von Urnern beauftragte Studie bei einem angesehenen Doktor in Luzern hält demnach fest, dass mehr als eine Stunde lang Autofahren mit über 40 kmh zu tödlichen Krankheiten führen kann. Die Studie konnte die touristische Blütezeit Andermatts kaum verlängern und die Schweizer Armee hauchte dem Ort ihr neues Leben ein. Heute fast entmilitarisiert wird wieder ganz auf den Tourismus gesetzt. Wir fragen uns ob die Gäste der modernen Spas auch heute noch mit überschüssiger Butter eingerieben werden, wie damals in der Belle Époque, als findige Bauern diese tonnenweise als Naturpflegemittel an die Hotels lieferten.

Nach einer Stärkung in der Bärebar im Hotel Radisson Blu Andermatt-Reuss eröffnet Remo Derungs die GV 2019. Dank Ausbleiben kontroverser Diskussionen bleibt umso mehr Zeit für die gebührende Verdankung von abtretenden Vorständen und Beauftragten sowie das Vorstellen der NachfolgerInnen. Ein weiterer Höhepunkt war die Ernennung der zwei neuen Ehrenmitgliedern Marianne Daepp und Hansruedi Vontobel. Marianne Daepp ist und war aktiv in zahlreichen Gremien, hat die Zusammenarbeit mit dem ECIA geprägt und ist uns eine hochgeschätzte Kollegin für einen spannenden und fruchtbaren Austausch sowie «Expertin der mittleren Flughöhe».
Hansruedi Vontobel hat eine Generation von Innenarchitektinnen- und -architekten geprägt. Wir hören noch immer fasziniert seinen Geschichten zu und staunen über sein breites Wissen, seine Vielseitigkeit, die nebst der Innenarchitektur vom Züchten von Schafen, über das Renovieren von Traktoren und Schiffen bis hin zur Entwicklung eines Bockschlittens reicht. Am Ende der GV liessen sich seine ehemaligen Studierenden der Zürcher Innenarchitektur Fachklasse nicht ohne Stolz mit ihm auf einem Foto verewigen.

Nach dem Apèro von Sponsor NAKU Steinhandel AG lud unser Lichtplaner Michael Heusi spontan auf eine Führung durch den soeben mit der Berliner Philharmonie eröffneten Konzertsaal ein. Aus direkter Hand erfuhren wir Details zur ausgeklügelten Lichttechnik und die gestalterische Absicht, die Architektur sowie die Konzertbesuchenden ins beste Licht zu rücken.
Zum Tagesausklang fanden wir uns in der Alphittä oberhalb Andermatt ein. Beim Nachtessen hatten wir nochmals Gelegenheit für einen regen Austausch und die Wolken lichteten sich für einen atemberaubenden Ausblick durch das Ursenental Richtung Galenstock an der Furka.

TAG 3
Nach reichhaltigen Apéros und köstlichen Mahlzeiten der vorangegangenen Tage folgte die sportliche Leistung und wir brachen auf zu frischer Luft und höheren Zielen. 2542 Meter über Meer liegt die neu renovierte, von Leutwyler Architekten aus Zug geplante Albert Heim Hütte der Zürcher SAC-Sektion UTO. Gut beschuht überquerten wir die noch ausserordentlich weiten Schneefelder und wurden durch ein eindrückliches Bergpanorama, eine währschafte Älplermagrone sowie eine spannende Führung durch den Hüttenchef Robert Lienert belohnt.
Eine intensive, vielseitige und erlebnisreiche GV geht zu Ende.
Ich bedanke mich herzlich bei allen Mitwirkenden, Organisatorinnen und Organisatoren und Sponsoren, insbesondere auch bei Susanne D. Bachmann für die Planung des Rahmenprogrammes und die unerschöpfliche und aufmerksame Begleitung unserer Mitglieder durch die drei unvergesslichen Tage.

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Download des Protokolls der Generalversammlung 2019

gv 2019 luzern / gotthard / andermatt